Hermann Oberhofer, Druckgrafiker, Randersacker

L1120945 (Large)Hermann Oberhofer ist ein Tausendsassa, doch in erster Linie Künstler. Als Holzdruckgrafiker ist er längst über Deutschland hinaus bekannt. Ausstellungen in ganz Europa zieren seine Vita. „Holzdruckgrafiker ist in der Tat eine Nische, wir sind ganz wenige in der Region“, sagt der Randersackerer. „Druckgrafik habe ich schon immer gemacht, ab 1990 fast ausschließlich Holzschnitthochdruck. Ich bearbeite unter anderem Linol- und Holzplatten mit verschiedenen Werkzeugen und drucke damit.“ Nebenbei ist der ehemalige Lehrer noch Lehrbeauftragter für Druckgrafik und Kunsterziehung an der Uni Würzburg.

L1120961 (Large)Dazu leitet er seit 2005 ehrenamtlich das Künstlerhaus in Würzburg, ist dort auch zuständig für das Ausstellungsprogramm. „Hier können Künstler jederzeit für einen geringen Unkostenbeitrag arbeiten. Meistens sogar unter Anleitung eines Fachmannes“, erklärt er, während er seinen neuesten Druck aus der Presse zieht.

Als Experte für Hochdrucktechnik gibt er Workshops im gesamten süddeutschen Raum. Auch mit 71 Jahren kommt der gebürtige Oberbayer nicht zur Ruhe. Doch dem Grafiker mit Leib und Seele macht der volle Terminplan nichts aus. „Es gab zwei Dinge, die mich in den Holzschnitthochdruck gedrängt haben: Zum einen war es mein Lehrauftrag, zum anderen die Möglichkeit, im Künstlerhaus an speziellen Geräten große Arbeiten zu drucken. Da habe ich Blut geleckt!“ Der gebürtige Eichstätter lebt seit 1966 in der Region. „Lehrer, die nicht verheiratet waren, wurden nach Unterfranken versetzt“, schmunzelt der zweifache Familienvater. Als Mitglied des neuen Randersackerer Kulturkreises präsentiert er seine Holzschnitte und Grafiken  im September im Rahmen der Veranstaltung MainWeinKunst im Randersackerer Weingut Wilhelm Arnold.

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Ernst Weckert, Grafiker und Zeichner, Randersacker

P1160390 (Large)„In der Schule habe ich nie gute Noten im Zeichnen bekommen. Erst als ich für meine Schulfreunde heimlich zeichnete, änderte sich das“, schmunzelt Ernst Weckert. Trotz dieser Tiefschläge schlug er die kreative Richtung ein, als er mit einer Dekorateurslehre in Würzburg begann. Später studierte er Grafikdesign in Hamburg und anschließend an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Die Liebe zog ihn schließlich wieder heim nach Randersacker.

P1160396 (Large)Dann folgten 30 Jahre als Grafikdesigner bei der Stadt Würzburg. „Die ganzen Highlights der Würzburger Feste habe ich dokumentiert“, sagt der 72-Jährige. Seine künstlerischen Entwürfe kamen so gut an, dass er ab 1971 auch als Lehrbeauftragter an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt unterrichtete.

P1160400 (Large) P1160401 (Large)Seine Liebe zu den Zeichnungen entdeckte er erst viel später. „Es war wie eine Offenbarung. Wir unternahmen mit den Studenten Exkursionen nach Rom und Venedig. Ich probierte mich an einfachen Reiseskizzen. Innerhalb von fünf Minuten entstanden so Menschen und Erlebnisse auf dem Papier“, erklärt er. „Das war wie eine Befreiung und zudem hat mir das Zeichnen unheimlich viel Spaß gemacht.“

P1160402 (Large)P1160403 (Large)Ernst Weckert zeigt auf seine Venedig-Mappe aus dem Jahr 1984. Sein idyllisches Haus in Randersacker ist gefüllt mit Erinnerungen. Zeichnungen aus längst vergangenen Zeiten, Illustrationen zu einem Mundart-Buch und gerahmte Plakate liegen griffbereit in den Regalen, auf denen unzählige alte Uhren stehen. „Ich bin ein begeisterter Uhrensammler“, gesteht der Randersackerer. Auf die Frage, mit was er sich lieber beschäftige – Grafiken oder Zeichnungen, antwortet er: „Wenn ich Muse habe, zeichne ich lieber. Doch wenn ich Geld verdienen will, bevorzuge ich Grafikaufträge. Und das Spannende daran ist, dass ich für die auch voll und ganz verantwortlich bin.“

Zwei Uhren schlagen die frühe Abendstunde an. Für Ernst Weckert ist es das Signal, noch zu arbeiten. Heute ist es eine Zeichnung, in die er sich bis spät in die Nacht hinein verlieren wird.

Seine Arbeiten sind im September im Rahmen der Veranstaltung MainWeinKunst im Randersackerer Weinhaus Ewig Leben zu sehen.

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Barbara Weckert, Schmuckdesignerin, Randersacker

P1160382 (Large)Barbara Weckert hat sich den schönsten Platz zum Arbeiten und Leben ausgesucht. Idyllisch residiert sie in ihrem Häuschen hoch über den roten Schieferdächern von Randersacker. Zufrieden blickt sie zurück, auf die langen und auch kurzen 50 Jahre, die sie zu einer kreativen Schmuckdesignerin gemacht haben.

"Hommage an Götz von B.", Rückenschmuck aus CDs.

„Hommage an Götz von B.“, Rückenschmuck aus CDs.

Begonnen hatte alles in den 1950er Jahren in einer kleinen Werkstatt in Würzburg, wo sie zur Gold- und Silberschmiedin ausgebildet wurde. Ihr Vater war es, der sie dazu ermutigt hatte, denn damals war dieser Beruf alles andere als frauentauglich. „Ich bin in eine Männerdomäne hineingeraten“, erinnert sich die 73-jährige Randersackererin. „Ich war schon immer ein sehr praktisch veranlagter Mensch, ich wollte etwas Handwerkliches machen.“

Kunden kamen und gingen. Nach der Lehre machte sie viele Auftragsarbeiten. „Aber immer nur das, was den Käufern gefiel, mein Geschmack war das meistens nicht!“ Als das erste Kind kam hörte sie auf. Schon bald richtete sie sich eine eigene Werkstatt ein.

Perücke aus Kronkorken.

Perücke aus Kronkorken.

„Ausschlaggebend war ein kleines, verrostetes Zahnrad, das ich am Wegesrand fand.“ Daraus entstand ihr erstes eigenes Kunstobjekt. Aus Abfallprodukte Schmuck machen, lautet seitdem ihre Devise und das seit rund 25 Jahren. In diese Stücke bringe ich die Goldschmiedekunst mit ein. „Mir geht es vor allem darum, herauszustellen, wie schön auch etwas Weggeworfenes sein kann!“

Ausstellungen haben sie über die Grenzen Frankens hinaus bekannt gemacht. „Sobald ich weiß, dass mein Schmuck gezeigt wird, mache ich viel mehr.“ Ausstellungen betrachte sie daher eher als Ansporn und Motivation. Dann zeigt sie ihre Lieblingsstücke: Einen extravaganten Rückenschmuck, eine Kronkorkenperücke und ein Harpyien-Amulett. Auf weitere Stücke darf man gespannt sein. Ihre Arbeiten sind im September im Rahmen der Veranstaltung MainWeinKunst im Randersackerer Weinhaus Ewig Leben zu sehen.

Harpyien-Amulett als Schutz gegen Dämonen.

Harpyien-Amulett als Schutz gegen Dämonen.

 

 

Klaus Gerstendörfer, Bildhauer, Randersacker

IMG_9727 (Large)Klaus Gerstendörfers künstlerische Arbeit begann schon sehr bald. Während des Studiums entwarf er Möbel und Innenausstattungen. Durch seine Frau Simone kam er erstmals mit der Bildhauerei in Berührung. „Zum 45. Geburtstag schenkte sie mir einen Kurs. Es dauerte nicht lange, bis ich Lunte gerochen hatte. Ich war begeistert, es hat Spaß gemacht und mein erstes Sandstein-Objekt, ein Fantasiegebilde, gefiel mir gut“, erzählt der 55-jährige Randersackerer.

IMG_9746 (Large)Seitdem hat ihn die Bildhauerei nicht mehr losgelassen. Er zeigt auf den hellen Torso, den er 2008 gefertigt hatte. „Schon immer begeisterte mich Marmor als edler Stein, sehr dicht und feinkristalliert. Das war mein erster Torso in Marmor.“

IMG_9716 (Large)Inspirieren lässt er sich auf Ausstellungen und durch Bildbände. Außderdem hat er viele Köpfe als Porträtarbeiten gemacht. Jetzt arbeitet er an einem Kopf aus weißem Marmor, entstanden durch ein Gemälde, das ihn fasziniert hat. „Marmor ist für mich das beste Material zum Arbeiten. Toller Ausgleich zum Job, man vertieft sich und führt einen regen Gedankenaustausch mit anderen Bildhauern“, betont der Informatiker.

IMG_9756 (Large)Klaus Gerstendörfer freut sich auf die Zukunft, hofft, dann mehr Zeit zu haben, auch, um sich neu auszurichten. „Das nächste Projekt wird wieder ein weiblicher Torso sein. An ihm will ich die Formensprache des Kubismus versuchen“, sagt der zweifache Familienvater.

Seine Arbeiten sind im September im Rahmen der Veranstaltung MainWeinKunst im Weinhaus Brock in Randersacker zu sehen.

Fotos: Enric Boixadós